Eine kurze Geschichte

Die erste Orgel der Kathedrale von Reims wurde 1470 unter der Herrschaft von Ludwig XI. erbaut. Nach dem Brand der Kathedrale im Jahre 1481 wurde sie vollkommen neu errichtet.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie vergrößert und 1849 von dem Orgelbauer John Abbey neu konzipiert.

Nach den Schäden durch die Bombardierungen des 1. Weltkriegs baut Victor Gonzalez 1938 die Orgel grundlegend um.

Er verwendet viele Elemente wieder, insbesondere Pfeifen und Windladen, und vergrößert das Instrument erheblich. So gibt es nun nicht mehr 3, sondern 4 Manuale, und statt 53 Register 87.

Damit war die Orgel der Kathedrale von Reims mit mehr als 6742 Pfeifen die viertgrößte in Frankreich und die größte außerhalb von Paris.

Der Standort der Orgel

Die Orgel der Kathedrale wurde 1470 im nördlichen Querschiff eingebaut, in der Nähe des Chores, was noch heute ein eher seltener Standort ist.

Er erlaubte es, den Einzug des Klerus in die Kathedrale aus den kirchlichen Gebäuden und dem Kreuzgang, in unmittelbarer Nähe auf der Nordseite des Bauwerks gelegen, zu begleiten.

Es war ausgeschlossen, die Orgel an der Rückseite der Fassade aufzustellen, denn dort hätte sie die Skulpturen und die zwei Rosetten verdeckt.

Andere Beispiele von Standorten

Der häufigste Standort für eine Orgel in einer Kathedrale befindet sich auf der Rückseite der Hauptfassade, wie hier in der Kathedrale von Laon (Abb. oben links).

Die Orgel der Kathedrale von Chartres (Abb. oben rechts) wurde als Schwalbennestorgel errichtet, d.h. oben an einer Seite des Langhauses.

Die von Bourgogne, einem Dorf in der Nähe von Reims, wurde am Boden im nördlichen Querschiff aufgestellt (Abb. unten links).

Die von Arques-la-Bataille in der Normandie (Seine-Maritime) wurde auf dem Lettner, der den Chor abgrenzt, errichtet.

Das Orgelgehäuse

Das monumentale Orgelgehäuse der Kathedrale von Reims verdankt seine Dimensionen dem ersten Instrument von 1470.

Alle Skulpturen stammen aus dem Jahr 1647. Sie schmücken den alten Orgelprospekt aus dem Jahr 1470.

Das große Gehäuse im Hintergrund enthält die Pfeifen des 1., 3. und 4. Manuals, sowie die des Pedals.

Das kleine Gehäuse oder Rückpositiv im Vordergrund enthält die Pfeifen des 2. Manuals.

Die verschiedenen Pfeifentürme, der größte davon im Zentrum des großen Prospekts, wechseln sich mit den Flachfeldern ab.

Das Rückpositiv

1571 wurde das Rückpositiv von Denys Collet komplett neu aufgebaut, der das ursprüngliche Positiv-Werk aus dem Jahr 1470 ersetzte.

Dieses Rückpositiv erhielt 7 Register und wurde von 3 Bälgen versorgt.

Dieses Gehäuse  besteht bis heute, obwohl es 1647 überarbeitet und das Werk 1849 von John Abbey vergrößert wurde.

Christusstatue

Die große Christusstatue steht in der Mitte des Instruments auf dem zentralen Turm des Hauptgehäuses.

Die Rose des nördlichen Querschiffs bringt bei Sonnenuntergang ihr wunderbares farbiges Licht auf den Stein, der das Buntglasfenster umgibt.

Engel

Mehrere imposante Statuen zieren das Gehäuse aus dem Jahr 1647.

Figuren mit Engelsflügeln stützen die seitlichen Türmchen des Hauptgehäuses und zwei musizierende Engel sitzen auf der Orgel zu beiden Seiten der Christusstatue.

Zwei Atlanten mit Engelsflügeln tragen die seitlichen Türmchen des Hauptgehäuses, während zwei musizierende Engel oben auf der Orgel zu beiden Seiten der zentralen Christusstatue sitzen.

Empore und Balustrade

Die Empore und die Balustrade stammen aus der Zeit der ersten Orgel von 1470.

Beide sind reich in Eichenholz geschnitzt und zeugen von der Pracht des Instruments, dass im 15. Jahrhundert im Krönungsdom erbaut wurde.

Überreste des 15. und 17. Jahrhunderts

Die 1585 angefertigte Zeichnung (linkes Bild) des Organisten Jacques Cellier stellt die ursprüngliche Orgel von 1470 dar, der 1571 das Rückpositiv  hinzugefügt wurde.

Viele Elemente sind heute noch vorhanden: z.B. die Empore und das Geländer (vorherige Tafel).

Das Instrument behielt seine Abmessungen und das Gehäuse aus dem 15. Jahrhundert wurde 1647 im Stile Ludwigs XIII. angepasst.

Im Inneren sind noch Reste der Orgel von 1470 zu sehen,  zum Beispiel die Gitter des Untergehäuses (Bilder rechts).

Der Spielschrank

Der Orgelspielschrank ist der Ort, an dem der Organist die Orgel steuert. Er befindet sich in dem schmalen Durchgang zwischen den Hauptgehäuse und Rückpositiv.

Der Spielschrank ist  dem Hauptgehäuse zugewandt.

Er verfügt über:

  • 4 Manuale und Pedal, die es ermöglichen, auf verschiedenen Klangebenen zu spielen (Hauptwerk, Rückpositiv, Recit ,Echo, Pedal)
  • Registerzüge rechts und links neben den Manualen
  • eine Reihe von Spielhilfen über den Manualen und der Pedalklaviatur
  • ein Touchscreen-Computer.
Das Pedal

Das Pedal ist eine Klaviatur, die vom Organisten mit den Füßen  gespielt wird.

Im Allgemeinen erklingt auf dem Pedal die Bass-Stimme eines Orgelstücks.

Die oberhalb der Pedalklaviatur  befindlichen Pistons bieten dem Organisten die Möglichkeit, vorab programmierte Klangmischungen zu aktivieren.

Die Register

Die zu beiden Seiten der Manualklaviaturen angeordneten Registerzüge ermöglichen es dem Organisten, die gewünschten Klangfarben einzustellen.

Mit dem Computer kann der Organist festgelegte Registerprogrammierungen speichern und abrufen.

Darüber hinaus kann man Orgelstücke aufnehmen, die die Orgel selbstständig abspielen kann.

Der Wind

Der Wind, der die Pfeifen zum Klingen  bringen soll, wird von einem elektrischen Gebläse (Bild unten links) erzeugt, das sich unter der Orgelempore befindet.

Er wird dann durch verschiedene Teile (unteres rechtes Bild) des Instruments geleitet.

Die kleineren Rohrleitungen versorgen  bestimmte Pfeifen direkt mit Wind.

Windtransport

Der Wind wird in einem riesigen Balg  gespeichert, der es ermöglicht, den notwendigen und konstanten Druck zu erzeugen, um die Pfeifen zum Klingen zu bringen.

Zwei Windträger, hier aus Holz (links) oder Pappe (rechts unten), transportieren den Wind zu den verschiedenen Windladen der Orgel.

Die Orgelpfeife

Die Windlade des Hauptwerks stehen alle Pfeifen, die der Organist zum Klingen bringen kann, indem er das erste Manual des Instruments spielt.

Sie befindet sich im Hauptgehäuse  in der Mitte des Instruments.

Die Pfeifen sind folgendermaßen angeordnet:

– die kleineren (im Bild links) bringen die hohen und die größeren (im Bild rechts) die tieferen Töne zum Klingen

– jede Reihe von Pfeifen gleicher Form entspricht einem Register.

Ein Register ist eine Reihe von 61 Pfeifen, von der  größten bis zur kleinsten, die den 61 Tasten auf der Tastatur entsprechen.

Die große Flöte des Hauptwerks

Zieht der Organist ein Register wie hier die große 8’ – Flöte des Hauptwerks, wählt er eine Reihe von Pfeifen mit gleicher Klangfarbe aus.

Nur dieses Register wird dann in der Kathedrale erklingen.

Um also eine der 6742 Orgelpfeifen zum Klingen zu bringen, muss man  ein Register im Spielschrank per Registerzug auswählen und einen Ton auf der Tastatur spielen.

Was ist ein 8′-Register ?

8 ‘ bedeutet 8 Fuß (etwa 33 cm pro Fuß). Gemeint ist die längste und damit tiefste Pfeife eines 8 ` Registers (etwa 2,5 Meter).

Die Pfeifen des Rückpositivs

Das Positiv befindet sich im kleinen Gehäuse der Orgel, dem sogenannten Rückpositiv.

Die Nähe der Pfeifen zum Hörer gibt diesem Klangkonzept in der Regel eine führende Rolle, wie ein Solist vor dem Orchester.

Das Rückpositiv wird auf dem 2. Manual gespielt.

Orgelpfeifen aus unterschiedlichen Materialien

Orgelpfeifen werden aus verschiedenen Materialien hergestellt.

Einige sind aus Kupfer (linkes Bild).

Andere sind aus Holz und haben einen quadratischen Querschnitt (Bild oben rechts).

Die Metallpfeifen bestehen oft aus einer Blei-Zinn-Legierung (Bild unten rechts).

Pfeifenformen

Das verwendete Material sowie die Form der Pfeifen beeinflussen ihre Klangfarbe.

Einige können beispielsweise oben offen sein, während andere oben « gedeckt » sind.

Die rauschenden Trompetenpfeifen (Bild unten links) sind horizontal über dem Gehäuse platziert, um den Klängen noch mehr Kraft zu verleihen.

Pfeifenlängen

Die Länge der Pfeife hat direkten Einfluss auf die Tonhöhe des Klangs.

Somit ergibt eine große Pfeife einen tieferen Ton als eine kleinere Pfeifen.

Das Labium ist der Ort, an dem die Schwingung erzeugt wird, die den Klang erzeugt.

Die Labialpfeife hat zwei Teile : den Pfeifenfuss, der den Wind transportiert sowie der darüber befindliche Teil, der vibriert, um den Klang selbst zu bilden.

Die kleinste Orgelpfeife misst knapp über einen Zentimeter, während die größeren 10 Meter erreichen.

Die Orgel, ein kulturelles Instrument

Mit der Orgel der Kathedrale von Reims sind viele kulturelle Projekte verbunden:
-Konzerte mit Solisten oder auch mit Chor, Bläser oder großem Orchester
– Schulbesuche und Präsentationen,
– CD-Aufnahmen,
-Prüfungen für Studenten des Konservatoriums von Reims.

Das Publikum versammelt sich in den Querschiffen des Doms, im Chor und in der Kardinalskapelle hinter dem Hochaltar, um von der großartigen Akustik der Kirche zu profitieren.

Nach den Restaurierungsarbeiten wird ein zweiter mobiler Spieltisch im Chor platziert, der es dem Organisten ermöglicht, bei Konzerten unter den Musikern und in der Nähe des Publikums zu spielen.

Die Orgel, ein liturgisches Instrument

Die große Orgel ist einer der Hauptakteure im liturgischen Leben der Kathedrale.

Sie begleitet Sonntagsmessen und große Zeremonien, wie im Bild die Bischofsweihe von Mgr. Bruno Feillet, Weihbischof von Reims, am 22. September 2013.

Der Standort der Orgel im nördlichen Querschiff bietet einen atemberaubenden Blick auf den Altarraum, den Chor und das südliche Querschiff.